Seit Juli 2020 wird in Tübingen Zeig mir was! pilotiert. Der Kunde kann sich bei den teilnehmenden Händlern per Videochat durch den Laden führen lassen und erhält eine exklusive Live-Beratung. Bereits im Herbst wird die Digitalisierungsmaßnahme in vielen weiteren Städten ausgerollt.

Corona-Situation

Zugegebenermaßen war Corona der Auslöser, um uns mal wieder detaillierter mit dem lokalen Einzelhandel zu beschäftigen. Zum einen war natürlich auch uns für längere Zeit der Zutritt zu unseren Lieblingsgeschäften verwehrt. Zum anderen merkten wir recht schnell, dass uns die großen Onlineshops zwar (fast) alles liefern können, dass das Onlineshopping aber auch weit weniger Spaß macht und weniger Erlebnis bietet, als das Einkaufen beim Händler vor Ort.

Zeig mir was!

Aus diesem Grund haben wir Zeig mir was! entwickelt und an den Start gebracht. Hier führt der Mitarbeiter den Kunden mittels einer handelsüblichen Smartphone-Kamera durch den Laden und berät ihn – individuell – zu den gewünschten Produkten. Die technische Grundlage für die Maßnahme bildet ein online vereinbarter Live-Videochat zwischen Händler und Kunde.

Folgende Beratungsmöglichkeiten werden bei Zeig mir was! angeboten:

  • 1:1-Beratung: Der Kunde bucht online seinen Wunschtermin. Pünktlich zum Termin trifft er sich mit dem Händler ebenfalls online per Videochat und erhält eine individuelle Beratung.
  • Schaufenster: Ein- oder mehrmals pro Woche führt der Händler seine Besucher virtuell durch den Laden und kann dabei ganz individuelle Schwerpunkte setzen.
  • Sofort-Beratung: Der Kunde kann auch „auf gut Glück“ in den virtuellen Schauraum eintreten. Hat der Händler gerade Zeit, ist ohne Weiteres eine Sofort-Beratung möglich.
  • Spontan-Chat: Der Händler hat jederzeit die Möglichkeit, den Link zum virtuellen Laden per SMS, WhatsApp oder E-Mail an den Kunden zu versenden und so auch spontan eine Live-Beratung durchzuführen.
  • Homepage, Shop etc.: Auch bereits bestehende virtuelle Angebote des Händlers werden in das Portfolio eingebunden.

Verändertes Kundenverhalten

Zeig mir was! nimmt eine Art „Mittlerposition“ zwischen dem stationären Handel und dem Onlineshopping ein.

Insbesondere für den Einzelhandel ergibt sich hieraus die Chance, ohne größere Investitionen am digitalen Verkaufen zu partizipieren. Das ist auch dringend notwendig, da viele ohnehin schon stark gebeutelte lokale Ladengeschäfte wegen Corona nochmals zusätzlich unter Druck geraten sind. Darüber sind sich auch nahezu alle Branchenexperten einig:

„Das Kundenverhalten wird sich dauerhaft ändern, ein Zurück zum alten Zustand wird es nicht geben. […] Rund 23 Prozent der Deutschen wollen danach seltener Geschäfte besuchen, mehr online einkaufen und insgesamt weniger ausgeben.” Quelle: Bob Rajan, Managing Director von Alvarez & Marsal im Handelsblatt

Alles anders?

Wir werden sehr häufig gefragt, was bei Zeig mir was! denn anders sei als bei den zahlreichen anderen Maßnahmen und Initiativen in der Vergangenheit, um der ungebremsten Ausbreitung von Amazon und Co. entgegenzuwirken. Die Frage ist natürlich mehr als berechtigt – so gab es schließlich so manche Digitalisierungsmaßnahme, die dem Einzelhandel in den letzten zehn, fünfzehn Jahren als eine Art „Heilsbringer“ angepriesen wurde: eigener Onlineshop, 360-Grad-Aufnahmen vom Laden, Virtual Reality, lokale Shopping-Plattformen, von Agenturen erstellte Social Media Kampagnen. Das hat natürlich alles seine Berechtigung, hat manchmal sogar funktioniert, in den allermeisten Fällen aber eben nicht.

Stärken stärken

Wir sind uns sehr sicher, dass Zeig mir was! funktionieren wird und wir dem lokalen Einzelhandel damit ein wirkungsvolles Instrument an die Hand geben. Was uns so sicher macht? Zeig mir was! bringt die Stärken der lokalen Ladengeschäfte direkt ins Internet:

  • Ambiente: Eine geschmackvolle Einrichtung und eine liebevolle Produktpräsentation schaffen eine einzigartige Atmosphäre. Dieses Alleinstellungsmerkmal wird mit Zeig mir was! sichtbar.
  • Persönliche Beratung: Im Internet hat der Kunde häufig die Qual der Wahl und/oder verlässt sich auf ein paar anonyme Kundenrezensionen. Mit Zeig mir was! kommt die Beratungskompetenz des stationären Handels auch online zum Tragen.
  • Lokaler Bezug: Immer mehr Kunden suchen nach guten Alternativen zu den Online-Giganten wie Amazon und Co. und bevorzugen hierbei Händler und Anbieter aus dem lokalen Umfeld.

Damit sich Zeig mir was! durchsetzen wird, braucht es natürlich nicht nur überzeugte Kunden, sondern auch andere Erfolgsfaktoren:

  • Technische Voraussetzungen: Im Wesentlichen benötigt der Händler zur Teilnahme an Zeig mir was! nicht viel mehr als ein Handy und ein funktionierendes WLAN Netz – beides Dinge, die ohnehin bereits vorhanden sein sollten.
  • Niederschwelligkeit: Die bei Zeig mir was! genutzten Tools – insbesondere die Videochat-Software und der Online-Terminkalender – sind einfach und ohne größere Vorkenntnisse vom Händler zu bedienen.
  • Corona-Erfahrung: Viele der Kunden und Händler haben während des Corona-Lockdowns gemerkt, dass die Digitalisierung in vielen Fällen dabei hilft, sich und seine Bedarfe besser zu organisieren.

Pilotstadt Tübingen

Zeig mir was! wird aktuell in Tübingen mit acht Händlern pilotiert und schon bald in vielen anderen Städten in Baden-Württemberg ausgerollt.

Das öffentliche Interesse an Zeig mir was! ist enorm: Auch unser Oberbürgermeister Boris Palmer ließ sich bereits digital beraten und war begeistert. Das Schwäbische Tagblatt hat auf Seite 1 darüber berichtet und auch die Landesschau Baden-Württemberg sendete bereits eine Reportage. Dies zeigt, dass sich die Digitalisierung auch im lokalen Einzelhandel voll im Aufwind befindet.

Autor: Armin Müller, Geschäftsführer drehmoment www.drehmoment-gmbh.de