Lernen - am besten lebenslang im Abo

Das berufliche Lernen befindet sich in einem stetigen Wandel. Galten Präsenztrainings lange Zeit als Garant für Erfolg und Nachhaltigkeit in Unternehmen, bekommen sie nicht erst seit Beginn der Corona-Pandemie mehr und mehr Konkurrenz durch digitale Lernangebote oder fallen sogar gänzlich dem Rotstift zum Opfer. So oder so sind berufliche Aus- und Weiterbildungsangebote wichtiger denn je. Wer das nicht versteht, wird im Zuge der digitalen Transformation scheitern. Wer es versteht, setzt hingegen gerne auf lebenslanges Lernen im Abonnement.

Der KFZ-Meister ist zufrieden mit seiner Auszubildenden in der Autowerkstatt

Ausgelernt sein – das war einmal

Lernen war etwas, das man vor noch nicht allzu langer Zeit hauptsächlich mit Schule, Ausbildung und Studium in Verbindung gebracht hat. Nach Beendigung galt man gemeinhin als „ausgelernt“. Diese eine Ausbildung, die einen Menschen für das gesamte Berufsleben vorbereitet, gibt es in der traditionellen Form heute nicht mehr – oder doch zumindest nur noch in sehr wenigen Berufen. Das hat strukturelle Gründe, wie beispielsweise das gestiegene Renteneintrittsalter und den fast überall bestehenden Fachkräftemangel. Aber auch die permanent steigenden Anforderungen auf dem Arbeitsmarkt und die rasant zunehmende Digitalisierung sind mitverantwortlich dafür, dass es ohne teils massive Weiterbildungsmaßnahmen nicht gelingen wird, die Beschäftigungsfähigkeit der Mitarbeiter*innen und Führungskräfte aufrechtzuerhalten.

Das ist keine besonders neue Erkenntnis. Bereits vor über zehn Jahren beschäftigte sich die Wissenschaft mit Lebenslangem Lernen als Trend in der Weiterbildung und legte damit den Grundstein für etwas, das heutzutage fast schon als Fakt gelten dürfte: Um nachhaltig im Beruf mithalten zu können, ist die stetige Erweiterung des eigenen Wissens und der Fähigkeiten eine schiere Notwendigkeit.

70-20-10

Neben dem Wann stellt sich die Anschlussfrage, wo im Job gelernt wird – auch keine neue Frage, aber aus meiner Sicht aktueller denn je. Bereits seit etlichen Jahren ist die 70-20-10-Formel im Umlauf, die davon ausgeht, dass nur zehn Prozent des Lernens auf die klassische Ausbildung (formales Lernen) entfallen. 20 Prozent des Lernens erfolgt im Austausch mit anderen (soziales Lernen). Den überwiegenden Anteil am Lernen macht die Erfahrung (Lernen am Arbeitsplatz) aus – das selbständige Meistern von Herausforderungen, Best-Practice-Sharing sowie Trainings- und Schulungsmaßnahmen, die speziell auf die Anforderungen am Arbeitsplatz zugeschnitten sind.

70-20-10-Formel – übertragen auf die heutige Lernsituation

Auf wen die 70-20-10 Formel zurückgeht, lässt sich heute nicht mehr so genau sagen. Publik und verbreitet wurde sie mit Sicherheit durch das Mitte der 1990er Jahre erschienene Buch „The Career Architect Development Planner“ von Morgan McCall, Robert Eichinger und Michael Lombardo, die in ihrem Bestseller unter anderem auch erfolgreiche Führungskräfte zu ihren Lernstrategien befragt haben. Seitdem wurde sie häufig aufgegriffen und zur (Weiter-)Entwickelung neuer Konzepte genutzt.

Blended Learning als Mittel der Wahl

Unbestritten hat die 70-20-10-Formel viele gute Denkanstöße hervorgebracht und die teilweise schon dogmatische Fixierung auf reine Präsenzveranstaltungen bereits in den 2010er Jahren ordentlich ins Wanken gebracht. Durch die fortschreitende Digitalisierung, die rasante Weiterentwicklung digitaler Lernmethoden und die Covid-19-bedingten Abstands- und Hygienevorschriften gilt heute in der Erwachsenenbildung ein Blended-Learning-Ansatz als das Mittel der Wahl.

Schulungen und Trainings jedweder Art leisten ihren Beitrag zur Wissenssicherung und Nachhaltigkeit im Unternehmen

Lernen muss wieder mehr stattfinden

Eindringlich warnen möchte ich jedoch davor, aus der 70-20-10-Formel abzuleiten, dass die Wirkung von Trainings und Weiterbildungsmaßnahmen überschätzt wird und durch Lernen am Arbeitsplatz oder soziales Lernen vollständig ersetzt werden kann. Auch mein Kollege Marius Lex setzt sich – trotz seiner maximalen Affinität zum digitalen Lernen – in seinem Blogbeitrag kritisch mit dem Bedeutungsverlust von Präsenztrainings auseinander. Er kommt zum Schluss: „Wenn im fertigen Konzept das Beste von beidem übrig bleibt und Lerninhalte gezielt durch eine sinnvolle Kombination aus Präsenztraining und E-Learning vermittelt werden können, ist ein Blended-Learning-Konzept erfolgreich.“

Ich selbst bin gar nicht so festgelegt, ob Lernen in Form von Präsenzveranstaltungen oder digital stattfinden soll und ob Lernen außerhalb des Betriebs oder inhouse besser funktioniert. Mein persönliches Credo ist wesentlich simpler: „Liebe Unternehmer*innen, wir müssen generell deutlich mehr trainieren!“ Denn ohne Training wird die digitale Transformation nicht stattfinden.

12 neue Tools in vier Jahren

Dabei nehme ich mich selbst übrigens nicht aus: In unserer Unternehmensberatung haben wir in den vier Jahren zwischen 2018 und 2021 insgesamt zwölf neue Tools eingeführt. Es handelt sich hierbei keineswegs um fachspezifische Applikationen. Vielmehr sind es Tools, mit deren Hilfe wir unsere internen Geschäftsprozesse im Laufe der Jahre digitalisiert haben und die von allen Mitarbeiter*innen gleichermaßen eingesetzt werden.

Bei der drehmoment Unternehmensberatung zwischen 2018 und 2021 eingeführte Tools

slack, HRworks, AirPlus, asana, Guru, Whereby, Screencast-O-Matic, Harvest, Forecast, LastPass, Envoy, wonder. Schon alleine anhand der Namen – noch wenige Wochen vor Einführung kannte ich keinen davon – wird einem klar, dass so etwas ohne ein ausgeklügeltes Rollout- und Trainingskonzept unmöglich funktionieren kann. Und ja: alle Tools erfüllen ihren bestimmten Nutzen und ich möchte auf keines davon mehr verzichten. Die Vorteile der digitalen Helferlein und die damit erzielte Effizienzsteigerung (und Kostenersparnis) sind einfach zu eindeutig.

Training-on-the-Job als Abonnementmodell

Digitale Transformation im Automotive Retail Aftersales

In unserem Kerngeschäft, dem Automotive Retail Aftersales, stellen wir hier aktuell einen ähnlichen Effekt fest. Im Automobilhandel vergeht gefühlt kein Tag, an dem nicht eine neue Software pilotiert, ausgerollt oder trainiert wird. Auch hier handelt es sich in der Regel um sinnvolle Tools – egal ob vom Hersteller oder Importeur bereitgestellt oder von Drittanbietern strategisch gut platziert und vermarktet. Wie in vielen anderen Branchen ist hier ebenfalls die Digitalisierung der größte Treiber – das digitale Kundenerlebnis auf der einen, die digitale Fahrzeugannahme und die papierlose Werkstatt auf der anderen Seite. Die Einflüsse des kontaktlosen Service habe ich bereits in einem anderen Blogbeitrag ausführlich beschrieben.

Aber auch im Automobilhandel setzt sich immer mehr die Erkenntnis durch, dass die Digitalisierung der Geschäfts- und Serviceprozesse ohne umfassende Trainings- und Schulungsmaßnahmen nicht funktionieren wird. Der Veränderungsprozess ist insgesamt zu groß und die Mitarbeiter*innen sind in der Regel noch viel zu wenig auf die teilweise gewaltigen Umwälzungen vorbereitet.

Trainings im Abo für lebenslanges Lernen

Eine große Mehrzahl unserer Kunden hat inzwischen erkannt, dass die gute alte Gießkanne weitgehend ausgedient hat und innovativere und dauerhaftere Konzepte nötig sind. Immer mehr Kunden greifen dabei auf unsere Abonnement-Angebote zurück. Das Abo wird für einen längeren Zeitraum (mindestens 6 oder 12 Monate) abgeschlossen und ist preislich attraktiver als die Einzelleistung. Wir verfolgen hier den Ansatz, nicht nur punktuell zu schulen, sondern kontinuierlich und somit nachhaltig. Der für das Autohaus zuständige Lead-Consultant verfügt dabei nicht nur über Spezialwissen, sondern bringt seine fundierte Retail-Aftersales-Erfahrung in die Gesamtmaßnahme ein. Somit ist er in der Lage, seine Trainings individuell auf die Bedarfe vor Ort auszurichten und fachlich über den berühmten Tellerrand hinauszuschauen. Der Consultant kommt nicht nur einmalig für ein bestimmtes Thema. Stattdessen sucht er das Autohaus in regelmäßigen Abständen auf – je nach Vereinbarung, beispielsweise an zwei bis drei Tagen pro Monat. Klar kostet dies Geld, aber der dadurch für das Unternehmen erzielte monetäre Nutzen übersteigt die Kosten bei weitem. Denn gut aus- und weitergebildete Mitarbeiter*innen leisten eben auch gute Arbeit.

Somit wird lebenslanges Lernen für das Unternehmen und seine Mitarbeiter*innen zu einer Win-win-Situation, von der beide Seiten profitieren. Und falls Ihnen dies bisher noch nicht bewusst war, keine Sorge – man lernt schließlich nie aus!

Autor: Armin Müller
Geschäftsführer drehmoment www.drehmoment-gmbh.de