Innerhalb kürzester Zeit gelang es dem Corona-Virus, unser komplettes Leben auf den Kopf zu stellen. Lockdown, Maskenpflicht, Ausgangssperre und Kontaktbeschränkungen lauteten Schlagwörter, die sich stark auf unser privates Leben auswirken sollten. Aber auch unser beruflicher Alltag blieb nicht verschont. Plötzlich standen Kurzarbeit und Home-Office auf der Tagesordnung, daneben sogar Einstellungsstopps und Entlassungen. Für viele begann das Bangen um den eigenen Job und die Zukunftsängste formten ein Gedankenkarussell, das einfach nicht stillstehen wollte.

Dieser Karussellfahrt sahen und sehen sich ebenso die Führungskräfte ausgesetzt. Denn auch Führungskräfte sind keine Superhelden im eisernen Stahlanzug, an denen jegliche Emotionen und Gefahren abprallen – und sollten das auch gar nicht sein. Angst vor der Ungewissheit und der Dynamik, welche die Pandemie mit sich bringt, ist normal. Denn eines ist klar: Zum ursprünglichen Zustand zurückzukehren, wird kaum möglich sein.

Neue Herausforderungen

Die Herausforderungen, denen sich Führungskräfte nun stellen mussten und weiterhin müssen, gestalten sich vielfältig. Zum einen ist da die Arbeitswelt an sich, die sich räumlich stark verändert hat. Der direkte Kontakt und der Austausch miteinander gestalteten sich schwierig (oder zumindest ungewohnt), was wiederum Unsicherheiten, Missverständnisse oder eine nachlassende Arbeitsmoral zur Folge haben kann. Zum anderen warten mentale Herausforderungen darauf, gelöst zu werden. Zukunftsängste, die Furcht vor dem Virus selbst, die Dynamik der Situation oder die Überforderung angesichts des Home-Schoolings der Kinder – Beispiele gibt es genügend.

Laut Olaf Eisele, Experte des Instituts für angewandte Arbeitswissenschaft e. V. (Ifaa), sind Führungskräfte gefragt, die in diesen Zeiten Halt geben, Sicherheit ausstrahlen und fachliche Kompetenz aufweisen – mit dem Ziel, die Existenz des Unternehmens zu bewahren und es erfolgreich durch die Krise zu führen. Demnach habe das Führungsverhalten selbst entscheidende Auswirkungen auf die Motivation und das Befinden der Mitarbeiter*innen.

Was ist zu tun?

Eine Insider-Studie, die unter 1.000 Angestellten auf Leistungs- und Einstiegsebene durchgeführt wurde, stellt vor allem vier Führungsqualitäten heraus:

  1. Transparenz: Nicht nur Neuigkeiten bezogen auf Home-Office-Pläne, die Rückkehr ins Büro oder langfristige Entwicklungen sollten transparent gemacht werden, sondern ebenso das Eingestehen eigener Fehler. Eine selbstkritische Reflektion ist unverzichtbar.
  2. Häufige Kommunikation: 78 % der Befragten hielten eine häufige Kommunikation für einen besonders wichtigen Aspekt einer guten Unternehmenskultur. Neben regelmäßigen (Online-)Meetings sollten alle Mitarbeitenden jederzeit die Möglichkeit zu Einzelgesprächen haben.
  3. Unterstützung: Hier geht es einerseits um eine praktische Unterstützung, indem flexible Arbeitszeiten ermöglicht und die technischen sowie organisatorischen Voraussetzungen für dezentrales Arbeiten geschaffen werden. Andererseits ist aber vor allem auch eine emotionale Unterstützung gefragt – Empathie heißt das Schlüsselwort. Wer trotz seiner Führungsposition Nähe zu seinen Mitarbeiter*innen zeigt, ihre Ängste versteht und sich nach deren Befinden erkundigt, vermittelt Vertrauen und Glaubwürdigkeit. Außerdem sind die Mitarbeiter*innen loyaler und motivierter, wenn sie spüren, dass sie von ihrer Führungskraft unterstützt und ernst genommen werden.
  4. Die Befähigung, für sich selbst einzutreten: Ebenso motivierend kann es wirken, wenn Führungskräfte entschlossene Entscheidungen treffen und dafür einstehen. Sie müssen aber ebenfalls in der Lage sein, die Verantwortung für Problemlösungen auf ihre Mitarbeiter*innen zu übertragen. Schließlich geht es darum, die Mitarbeiter*innen auf ein eigenständiges Denken und Handeln vorzubereiten und sie auf ihre individuellen Stärken hinzuweisen. Sie sind Teil des Unternehmens und maßgebend an dessen Erfolg beteiligt. Eine gute Führungsqualität besteht neben fachlichen Qualifikationen also immer auch aus sozialen und persönlichen Kompetenzen.

Krisenbewältigung ist Übungssache – Führungsqualitäten nach Corona

Ja, es wird sie geben, die „Zeit nach Corona“ – und mehr und mehr kehrt die Hoffnung zurück, dass sie schon in naher Zukunft greifbar ist. Die Corona-Krise war und ist ein neuartiger Ausnahmezustand, kann damit aber auch eine große Chance darstellen. Besonders die Führungskräfte müssen die Pandemie als Möglichkeit betrachten, aus einer Krise zu lernen, sie offen nachzubereiten und damit als wirkungsvolle Vorbereitung für mögliche neue Krisen zu nutzen. Außerdem müssen sich die Führungspersonen während und nach der Pandemie intensiv damit auseinandersetzen, wie sich die neu gewonnenen Strukturen künftig ins Berufsleben integrieren lassen.

Gerade bezogen auf die Führungsqualitäten hat die Pandemie einige Erkenntnisse ans Licht gebracht. Es ist klar geworden, dass ein verbissenes Festhalten an alten Mustern und ein tunnelartiger Blick auf den Ausgangszustand nicht sonderlich gewinnbringend sind – schließlich bietet jede Krise die Gelegenheit, Abläufe zu überdenken und umzugestalten.

Was in dieser Situation ebenfalls niemand braucht, sind dominante Persönlichkeiten, die sich stur auf hierarchische Strukturen und „Anweisungen von oben nach unten“ berufen. Schnelle und klare Entscheidungen sind zwar grundsätzlich begrüßenswert. Allerdings müssen sie stets konsequent auf die jeweilige Problemlage angepasst und in den Gesamtzusammenhang eingeordnet werden.

Den bereits erwähnten „eisernen Stahlanzug“ können wir getrost im Schrank hängen lassen. Äußerlich scheint er stark zu sein und strahlt eine gewisse Sicherheit aus. Doch keine Schwäche zu zeigen, schreckt ab. Vertrauenswürdig wirken hingegen diejenigen, die sich in die Sorgen und Ängste ihrer Mitarbeiter*innen hineinversetzen können – und dabei auch selbst die ein oder andere Unsicherheit einräumen.

Die großen Drei: Kommunikation, Transparenz, Empathie

So bleibt letztendlich der Grundsatz: „Kommunikation, Transparenz und Empathie“. Fehler eingestehen und daraus lernen, sich selbst reflektieren, auf einer Ebene offen kommunizieren – all das ist und bleibt wichtiger denn je. Dies bestätigt auch eine Studie der US-Führungskräfte Beratung DDI, der zufolge ein Unternehmen, in dem leitende Angestellte offen Feedback nehmen und geben, mit einer 4,6-fach höheren Wahrscheinlichkeit Top-Führungskräfte generiert. Zu viel Kommunizieren gibt es weder in Krisenzeiten noch im Arbeitsalltag. Ein besonderes Augenmerk muss hier auf die digitale Kommunikation gelegt werden, die weiterhin zunehmend an Bedeutung gewinnen wird. Hierfür ist auch ein gut funktionierender „Digital Workplace“ unerlässlich.

Wir können die Corona-Pandemie nicht plötzlich aus der Welt schaffen, auch wenn wir uns das alle wünschen würden. Genauso können Sie die Folgen für Ihr Unternehmen nicht gänzlich stoppen – aber Sie können dazu beitragen, die Situation für Ihre Mitarbeiter*innen so positiv wie möglich zu gestalten. Damit sich deren Gedankenkarussell zumindest etwas langsamer dreht – und vielleicht sogar ganz stehen bleibt. Sie können Vertrauen, Zuversicht und Halt ausstrahlen, in einer Welt, die momentan genau das benötigt. Und gewissermaßen macht Sie das dann doch irgendwie zu einem Superhelden – nur eben ohne den eisernen Stahlanzug, den sowieso niemand von Ihnen erwartet.

Autorin: Selina Mayer